Unternehmenswert – Ermittlung bei Geschäftsübertragung wichtig

Sowohl bei Kauf und Verkauf als auch bei Abfindungs- und Auseinandersetzungsanlässen stellt sich die Frage nach der „richtigen“ Unternehmenswert. Der Erwerber selbst kann Risiken – sowohl wirtschaftlicher als auch rechtlicher Art – in der Regel nicht richtig bewerten. Für Verkäufer oder Beteiligte an einer Auseinandersetzung besteht dagegen die Gefahr, das Unternehmen oder eine Beteiligung weit unter seinem „wirklichen“ Wert abzugeben.
Vor dem Hintergrund der in den nächsten drei Jahren in Bayern anstehenden mehr als 24.000 Unternehmensübergaben gewinnt diese Problematik an Relevanz.
Der mittelständische Unternehmer wird – wenn er sich zu einer Bewertung des „Bewertungsobjektes“ vor einer Transaktion entschließt – mit einem Fragen- und Problemkreis konfrontiert, für den er eine entsprechende Navigation benötigt:

  1. Benötigt man für die anstehende Transaktion (Kauf, Verkauf oder Auseinandersetzung) überhaupt eine „Unternehmens- oder Anteilsbewertung“?
  2. Wenn ja, welche Dimension und „Tiefe“ müsste eine solche Bewertung haben, welche Verfahren kommen in Frage? Gibt es „einfache“ Verfahren? Mit welchen Honorarkosten ist zu rechnen?
  3. Wie könnte eine Unternehmensbewertung für ein „realtypisches“ mittelständisches Unternehmen dimensioniert werden?
  4. Welche Partner können bei der Unternehmenswertermittlung helfen und auch den ganzen Transaktionsprozess vertrauensvoll begleiten?

Wenn sich zwei oder mehr Partner darüber einig sind, können grundsätzlich „Preisfindungen“ für Transaktionen auch durch Schätzung und „per Handschlag“ erfolgen. Das wäre in dieser Phase der „billigste“ Weg, schließt aber die Bereitschaft ein, alle möglichen negativen  Konsequenzen rechtlicher und wirtschaftlicher Art dann auch zu tragen.

 

Unternehmenswert: Transaktionen einer gewissen Komplexität

Sobald Transaktionen aber eine gewisse Größe oder Komplexität haben, der Transaktionsbeteiligte  von „objektiven“ Grundlagen ausgehen will und seine Chancen und Risiken bei der anstehenden Transaktion vorher kennen will, führt das zwangsläufig zu einer dann notwendigen „Bewertung“. Dimension und Tiefe einer solchen Bewertung hängen zum einen von der kommerziellen Komplexität und zum anderen aus den aus einer Erstanalyse erkennbaren betriebswirtschaftlichen, steuerlichen und vor allem auch rechtlichen Risikopotentialen des Bewertungsobjektes ab.

Es gibt wenige Gebiete, die Betriebswirtschaft und Recht interdisziplinär so eng miteinander verzahnen. Herausfordernd ist dabei, wie ein Unternehmenswert – vor allem für kleine und mittlere Unternehmen – risikoadäquat und trotzdem noch „finanzierbar“ ermittelt werden kann.

Sowohl bei kleinen als auch mittleren Unternehmen (KMU) wird heute für fast alle Bewertungszwecke (erbschafts-, schenkungs- und ertragsteuerliche als auch nichtsteuerliche Zwecke, wie Abfindungen, Kauf- und Verkaufstransaktionen) eine Bewertung nach einem Ertragswertverfahren als „sachgerecht“ angesehen.
Dabei wird vor allem auf die „übertragbare Ertragskraft“ in Zukunft und auf die grundsätzliche Dominanz der „Ertragswertmethode“ abgestellt. Zur Erstellung  eines Zukunftserfolgswertes müssen dazu die finanziellen Überschüsse ermittelt werden, die das Unternehmen „nachhaltig“ erzielen kann. Das bezieht – und das macht die eigentliche Herausforderung aus – möglichst alle wichtigen Risiken und Chancen ein, die auf diese finanziellen Überschüsse und damit auf die übertragbare Ertragskraft einwirken können. Eine notwendige Vorgehensweise, wie sie vor allem die „Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen“ des IDW Standards S 1 vorsehen.

Und hier treffen dann kommerzielle Einflüsse, wie zukünftige Ertrags- und Aufwandsentwicklungen, nicht abweisbarer Investitionsbedarf, Kundenbindungspotentiale u. a. und rechtliche (oft auch steuerliche) Einflüsse aufeinander.

Beispiel:

Nur ein Beispiel: wenn ein Käufer private Haftungen eingehen, Sicherheiten stellen oder mit Nachschusspflichten rechnen muss, ist es wichtig, dass die Auswirkungen privater Haftungen oder zu stellender Sicherheiten in Zahlungsströme – Cash-flows – [z. B. als „Quasi-Avalprovisionen“] „umgerechnet“ werden und damit die Einflüsse auf die finanziellen Überschüsse in Zukunft erkennbar werden.

Aus fundiert ermittelten zukünftigen finanziellen Überschüssen wird durch Kapitalisierung (Diskontierung auf einen festzulegenden Bewertungsstichtag) ein Barwert errechnet, der als „Unternehmenswert“ Verhandlungsgrundlage sein kann. Nicht nur zur richtigen Erfassung wirtschaftlicher, steuerlicher und rechtlicher Risiken, sondern auch zur Dimensionierung des der unterlegten Diskontierung unterlegten „Kapitalisierungszinssatzes“ sind sowohl betriebswirtschaftliche als auch juristische Grundsätze zu beachten (z. B. Bewertungsparameter, wie Basiszinssatz, Marktrisikoprämie, Betafaktor).

Oft ist es für viele „Übergeber“ zusätzlich wichtig, dass das „Lebenswerk“ in die „richtigen Hände“ gerät und nicht nur die Vermögens- und Einkommenssicherung des Unternehmers sondern auch die berufliche Existenz und der Lebensstandard sehr vieler Arbeitnehmer in den betroffenen Betrieben gesichert wird.
In allen Fällen ist es wichtig, dass der betroffene Transaktionsbeteiligte einen vertrauenswürdigen Partner an seiner Seite hat, der ihn während des gesamten Prozesses – von der Erstkontaktierung bis zum Vertragsabschluss – praktisch bei allen kommerziellen, steuerlichen und rechtlichen Fragestellungen begleiten kann.